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Silva Norica - Ein Wald voller Abenteuer

von Dirk Traeger 

Illustrationen von Sabine Röhr

Vignetten vom Autor

gebunden

ISBN 978-3-939877-00-4

gebunden

192 Seiten

Format ca. 15,4 x 21,3 cm
€ 9,90 (D) / € 10,20 (A) / sFr 20,50 (CH)



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 (©Schroedel, Braunschweig)



Rezension der Arbeitsgemeinschaft Jugenliteratur und Medien der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) (Auszug):
"... Die Geschichte von der anderen Welt mit dem undurchdringlichen, verzauberten Wald, mit mittelalterlichen Gestalten wie Hexen, Räubern, Mönchen, mit sprechenden Tieren und einem mächtigen, weisen und gerechten Zwergenkönig könnte man als Traum, als Abenteuer im Kopf, oder als fantastische Erzählung mit realem Hintergrund bezeichnen.
Doch Kinder, die diese spannende Erzählung lesen, analysieren nicht. Sie erfahren, wie Patrick lernt, sich in der einen wie in der anderen Welt zu behaupten, und sie werden ihre Freude haben an dem märchenhaften Erzählstil, der sie in eine andere Welt entführt und wieder zurückbringt.
EMPFEHLUNG: SEHR EMPFEHLENSWERT"
Download der vollständigen Rezension als PDF (ca. 50 KB): GEW-Rezension Silva Norica 1

Leseprobe:
SILVA NORICA,
so nannten die Menschen in alter Zeit den Nordwald.
Sie hielten ihn für undurchdringlich,
voller Hindernisse und Gefahren.
Doch gerade in undurchdringlichen Wäldern
warten Abenteuer auf den, der genügend Mut besitzt,
nach ihnen zu suchen ...

Hätte Patrick geahnt, was ihn erwartete, wäre er wahrscheinlich nicht mitgekommen.
Bestimmt wäre er morgens nicht einmal aufgestanden – oder vielleicht gerade deshalb?
Alles hatte so harmlos angefangen: Es war ein herrlicher Samstagnachmittag Anfang
September. Patrick hatte mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder Lukas im Wald nach
Pilzen gesucht. Draußen auf den Wiesen schien die Sonne heiß, doch im Wald war es
angenehm kühl. Das Laub raschelte bei jedem Schritt und hier und da malten die
Sonnenstrahlen helle Flecke auf den Boden. Zwischen den großen, alten Buchen konnte
man Hunderte Meter weit sehen und trotz der vielen Bäume war es überhaupt nicht dunkel
im Wald.
Patrick wollte gerade auf einen Hochsitz klettern, da hörte er, wie seine Mutter zu seinem
Vater sagte: „Patrick könnte ruhig auch einmal mit Lukas gehen", stöhnte sie und zog
Lukas hinter sich her, der seinen kleinen, braunen Teddybär im Arm hielt.
Patrick verdrehte die Augen. Er war elf Jahre alt! Auf seinen fünfjährigen Bruder
aufzupassen war das Letzte, das er wollte. Er presste die Lippen aufeinander und machte
ein finsteres Gesicht.
„So ist das jedes Mal, wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht!", klagte Patricks Mutter.
„Bloß nichts für andere tun müssen und bloß nicht anstrengen."
Patricks Vater runzelte die Stirn. Er mochte es nicht, wenn seine Frau mit den Kindern
schimpfte, aber er mochte es genau so wenig, wenn die Kinder bockig waren.
„Judo hat er auch aufgegeben", fuhr Patricks Mutter fort. „Ausgerechnet jetzt, wo er die
ersten Wettkämpfe gewonnen hat, wirft er alles hin." Enttäuscht schüttelte sie den Kopf.
Patrick seufzte und nahm Lukas an die Hand. Besser mit einem kleinen Bruder gehen als
sich das noch länger anzuhören!
Es dauerte nicht lange, da waren die Eltern ein gutes Stück voraus, denn Lukas blieb oft
stehen und riss sich los und rannte von einer Seite des Weges auf die andere.
In der Ferne konnte Patrick schon das Auto sehen, das am Rande der Wiese unter einem
Apfelbaum parkte.
Wenn es wenigstens Äpfel gäbe, dachte er, doch dafür war es noch zu früh.
Ein Rascheln ganz in der Nähe ließ Patrick aufhorchen. Bewegte sich dort etwas im
Gebüsch? Ein Zweig knackte und ein dunkler Schatten duckte sich hastig.
„Ist das ein Vogel?", fragte Lukas und zeigte ins Gebüsch.
„Ich weiß nicht", antwortete Patrick. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass etwas nicht
stimmte. Für einen Vogel war der Schatten viel zu groß.
Wir gehen wohl besser, dachte Patrick und zog Lukas weg.

Zehn Minuten später waren sie am Auto.
Lukas schrie noch immer. „Lass mich den Vogel sehen. Ich will den Vogel sehen!"
„Was ist denn nun schon wieder?", stöhnte Patricks Mutter.
„Da war ein Vogel im Gebüsch und der wollte ihn unbedingt sehen", antwortete Patrick mit
einer Kopfbewegung in Lukas' Richtung.
Patricks Mutter öffnete den Mund, um etwas zu sagen, da begann Lukas zu würgen und zu
husten, bis er schließlich einen kleinen, grauen Stein ausspuckte.
„Was ist das denn, Lukas?" Patricks Mutter klang nun richtig genervt. „In deinem Alter
nimmt man doch keine Steine mehr in den Mund."
Lukas begann zu weinen. Das machte er jedes Mal, wenn jemand mit ihm schimpfte. Er
schniefte laut, dann kreischte er plötzlich: „Teddy! Wo ist mein Teddy?"
Patrick seufzte und suchte den Boden ab. Ohne sein Kuscheltier würde Lukas keine Ruhe
geben. Auch die Eltern halfen suchen, doch der kleine Teddybär blieb verschwunden.
„Passt du so auf Lukas auf?", fragte die Mutter und sah Patrick vorwurfsvoll an. Ihre
Stimme zitterte, und Patrick spürte, dass sie sich beherrschte, um nicht zu schreien.
Patrick zuckte die Schultern. „Wieso?"
„Wieso? Lukas nimmt Steine in den Mund, er verliert seinen Teddybär – und du merkst es
nicht einmal?"
„Ich kann nichts dafür!", protestierte Patrick.
Lukas klammerte sich an seine Mutter und schluchzte. „Teddy!"
„Ich geh ja schon", stöhnte Patrick. „Such ich halt den blöden Bär." Lieber den Teddy
suchen als das Genörgel noch weiter anhören! Und irgendwie tat ihm Lukas leid.
„Das ist doch nicht zu fassen", hörte er seine Mutter noch, dann war Patrick im Wald
verschwunden. Er folgte dem Weg, den sie gekommen waren, und suchte den Boden
zwischen den riesigen Buchen und Eichen ab. Die Vögel zwitscherten und in der Ferne
hämmerte ein Specht.
Bei den Büschen, von denen er Lukas vorhin weggezogen hatte, blieb Patrick stehen. Es
war schon ein komisches Gefühl, so ganz allein im Wald.
Er kniete auf dem weichen Boden nieder und begann das trockene Laub abzutasten. Es roch
nach Blättern und Erde, doch so sehr er auch suchte, der Teddy war nirgendwo zu finden.
Mit einem Mal hielt Patrick inne. Das Rascheln von vorhin war wieder da. Und es stammte
ganz sicher nicht von einem Vogel. Dort lief jemand. Ein Mensch. Oder ein großes Tier.
Am liebsten wäre Patrick weggerannt. Aber wenn dort ein Mensch war, dann hatte er
vielleicht Lukas' Teddy gesehen ...
Das Rascheln kam von einem Waldweg ganz in der Nähe. Wie ein Tal war der Weg tief in
den Hang eingeschnitten. Hohlweg nannte man das, hatte Patricks Vater ihm erklärt. Dieser
hier war seit vielen Jahren nicht mehr benutzt worden. Dichtes Gestrüpp und knöcheltiefes
Laub machten es schwierig voranzukommen.
„Hallo!", rief Patrick. Niemand antwortete, doch das Rascheln hörte schlagartig auf.
Als er einen dornigen Zweig zur Seite schob, sah Patrick den kleinen Teddybär hinter
einem großen, rotbraunen Stein.
Komisch, dachte er. Hier waren sie gar nicht gewesen.
Patrick kämpfte sich durch das Dornengestrüpp, doch kaum hatte er es geschafft, da staunte
er nicht schlecht: Der Teddybär war weg!
Verdutzt rieb Patrick sich die Augen. Das konnte doch nicht sein!
Zögernd spähte er auf die andere Seite des Steins.
Nichts.
Dann hörte er das Rascheln wieder, viel lauter als vorhin. Da rannte jemand weg! So
schnell er konnte rannte Patrick hinterher und als er um eine Kurve bog, konnte er gerade
noch sehen, wie ein Schatten mit Lukas' Teddy hinter einem großen Felsblock verschwand.
Patrick stürmte bergauf. Noch einmal würde er ihn nicht entwischen lassen.
Gleich hab ich dich, dachte er. Nur noch ein paar Schritte!
Der Fels war schon zum Greifen nah, da rutschte Patrick aus und stürzte.
„Mist!"
Mühsam zog er sich an einer Wurzel hoch und humpelte mit schmerzenden Knien weiter.
Er konnte gerade noch sehen, wie der Teddy in der Erde verschwand.
Das gibt's doch nicht, dachte Patrick und blieb überrascht vor einer kleinen Höhle stehen.
Der Eingang war so groß, dass man auf allen vieren hineinkriechen konnte.
Zögernd spähte Patrick hinein. Die Höhle führte schnurgerade in den Hügel. Wurzeln und
Felsen ragten aus Decke und Wänden und auf dem Boden lagen Steine und Erdklumpen.
Waren das die Reste eines alten, unterirdischen Gangs?
Patrick bekam eine Gänsehaut. Sollte er nicht lieber umkehren? Aber Lukas wäre ohne sein
Kuscheltier bestimmt traurig.
Seufzend kroch Patrick in die Höhle. Nach wenigen Metern konnte er fast nichts mehr
sehen und musste sich vorantasten. Es roch muffig, nach feuchter Erde und immer wieder
zuckte Patrick zurück, wenn ihm dünne Wurzeln ins Gesicht schlugen. Richtig unheimlich
war es in dem dunklen Gang und je weiter Patrick kroch, desto mulmiger wurde ihm. Die
Angst vor der Dunkelheit, die er schon fast vergessen hatte, war wieder da.
Der Dieb war weder zu sehen noch zu hören. Je weiter Patrick kroch, desto mehr kamen
ihm Zweifel, ob er den Teddy je wiederbekommen würde. Was würde passieren, wenn es
ein Hund war, den er verfolgte, oder etwas Größeres?
Patrick griff nach seinem Taschenmesser, doch dann ließ er es in der Tasche. Bei einem
Gegner, den er in der Dunkelheit nicht sehen konnte, würde es ihm nichts nützen.
Vor ihm bröckelte Erde und Patrick hörte, wie Steine zu Boden fielen. Er schluckte. Wenn
der Gang jetzt einstürzte, dann würde ihn niemand finden. Vielleicht war es doch keine so
gute Idee gewesen, in die Höhle zu kriechen.
Patrick wagte kaum zu atmen. Angestrengt lauschte er in die Dunkelheit. Das Bröckeln
hörte auf.
Vorsichtig kroch Patrick weiter, immer tiefer in den Berg. Stück für Stück tastete er sich
voran und schließlich konnte er einen schwachen Schimmer erkennen. Da war ein
schwacher Lichtschein und von fern hörte er ein leises Rauschen.
Der Gang machte einen scharfen Knick. Helles Sonnenlicht blendete Patrick, als er
herauskroch. Erleichtert stand er auf und rieb sich die Augen.
Das Rauschen kam von einem Fluss ganz in der Nähe. Er sah recht breit aus, mindestens
acht Meter. In der Flussmitte lagen runde Steine, manche davon so groß wie ein Tisch und
am gegenüberliegenden Ufer sah Patrick leuchtend gelbe Blumen, die er nicht kannte.
Neugierig sah er sich um. Dunkle Tannen standen dicht beieinander, Brombeersträucher
und Farne wuchsen dazwischen und es duftete nach Harz. Was für ein Unterschied zu dem
hellen Laubwald auf der anderen Seite des unterirdischen Gangs!
Der Weg, auf den Patrick trat, war uneben und ausgewaschen. Gras und hellblaue
Vergissmeinnicht wuchsen in seiner Mitte und nur wenige Meter weiter plätscherte ein
Bach. Das Wasser lief einfach quer über den Weg.
Im feuchten Boden entdeckte Patrick frische Fußspuren, doch er staunte nicht schlecht, als
er sie mit seinen eigenen verglich: Die Abdrücke im Schlamm waren viel kleiner. Hatte ein
kleines Kind den Teddybär gestohlen?
Ein kurzes Stück ging Patrick in die andere Richtung, doch da waren keine Spuren.
Niemand war hier in letzter Zeit gegangen. Wenn er den Teddy zurückhaben wollte, musste
er wohl oder übel den Fußspuren folgen.
Patrick schaute sich noch einmal um, dann blieb er wie vom Donner gerührt stehen: Der
unterirdische Gang, aus dem er gekommen war, war verschwunden!

Fortsetzung im Buch ...



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