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WIE die Profis schreiben -

Praxistipps für angehende Schriftsteller

von Robert Newton Peck

Illustrationen vom Autor und Kirsten Traeger

Aus dem Amerikanischen von Dirk Traeger

Titel der amerikanischen Originalausgabe:

"HOW to write ficion like a pro"

Kartoniert (Paperback)

ISBN 978-3-939877-18-9

147 Seiten
Format ca. 14,8 x 21,0 cm
€ 12,90 (D) / € 13,30 (A) / sFr 20,50 (CH)


Zum Buch:


Robert Newton Peck hat fünfundsechzig erfolgreiche Bücher verfasst. Sein Jugendbuch A Day No Pigs Would Die (deutscher Titel: Mein Teil der Erde) ist in Amerika seit Langem Schullektüre.
Für seine humorvolle Soup-Serie über zwei Jungen, die so ziemlich alles anstellen, was man sich nur vorstellen kann, erhielt er 1982 den begehrten Mark-Twain-Award.
Peck wuchs als einfacher Junge auf einer kleinen Farm in Vermont auf. Zielstrebig arbeitete er sich vom Holzfäller bis zum Marketingleiter einer großen New Yorker Firma nach oben. Als erfolgreicher Schriftsteller zog er nach Florida, wo er sich ganz dem Schreiben widmete.

Nun zeigt der amerikanische Erfolgsautor Robert Newton Peck angehenden Schriftstellern, WIE die Profis schreiben.
Informativ, aber nicht belehrend, zeigt Rob, WIE Sie seine Tipps in die Praxis umsetzen und Ihre eigenen Erfahrungen ins Schreiben einbringen. Sein Motto: Lernen ist nicht Stress, sondern Spaß.

„Jeder angehende Schriftsteller sollte dieses Buch lesen!”
Gabi Traeger, Verlegerin

„Endlich ein Buch aus der Praxis! Rob Peck weiß, worüber er schreibt.”
Joachim Treiber, Schriftsteller und Dozent

„Kompetent und unterhaltsam – man merkt, dass hier ein Profi schreibt.”
Andreas Volk, Fachbuchautor



Inhalt:


Vorbemerkung des Übersetzers
Vorwort
1. Wer um alles in der Welt ...?
2. Was uns Namen verraten
3. Plot
4. Crash
5. Reden ist Gold
6. Zwillinge
7. Die Kamera
8. Showbusiness
9. Mehr Kraft durch Werkzeuge
10. Disziplin
11. Die kleinen Wörter
12. Klieh Scheh
13. Sinn für Humor
14. Tempo
15. Hilfe vom Klo
16. Seiltänzer
17. Rosen und Dornen
18. Fantasie auf Abwegen
19. Eklige Poesie
20. Luftige Seiten
21. Recherche
22. Titel
23. Ton
24. Melodie
25. Die Sprache der Erwachsenen
26. Max und meine Mutter
27. Werden Sie grammourös
28. Bibliothekarinnen
29. Erotische Romane
30. Prickeln
31. Stehen Sie aufrecht
32. Streiche
33. S.W.F.
34. Schwimmen Sie gegen den Strom
35. Fanpost
Letzte Worte



Leseprobe:



VORWORT


„Wie?“, stöhnte Sitting Duck.

Vor vielen Monden, einsamer junger Krieger wollte schreiben Liebesbrief an seine Angebetete Hot Pants so weit weg von ihm – aber Rauchzeichen nicht steigen auf wie Adler im Sonnen-untergang.

Sitting Duck war stecken geblieben. Mit einer Rauchzeichenblockade.

So also fängt es an. Mit Sitting Duck, der unsere Neugier geweckt hat. In all der Zeit, die seitdem vergangen ist, haben sich ehrgeizige Leute immer wieder gefragt, WIE man dieses tut, WIE man mit jenem umgeht – oder WIE man ein Buch schreibt.

Ein Buch wird nicht geschrieben.

Es wird konstruiert – geplant und gebaut.

Man baut ein Buch und verwendet dazu Rohmaterial und Werkzeuge. WIE zeigt Ihnen, wo sie die Balken finden und wie Sie die Hütte bauen. Und gibt Ihnen die passenden Werkzeuge an die Hand.

Die dümmste Frage, die man einem Schriftsteller stellen kann, ist: „Woher bekommen Sie Ihre Ideen?“

Um es gleich vorwegzunehmen: Ein Buch wird nicht aus Ideen geboren. Ganz im Gegenteil. Eine gute, solide Geschichte wird „gemacht“. Das Rohmaterial wird gesägt, gehämmert, geschliffen und in Form gebracht – mit den richtigen Werkzeugen. Geschichten entstehen weniger durch die Eingebung einer intellektuellen Muse, sie werden vielmehr von Grund auf ausgedacht und gemacht. Schweißtreibende Arbeit. Zimmermannsarbeit.

Die gute Nachricht: WIE ist kein hochgestochenes, theoretisches Fachbuch. Ganz im Gegenteil. Es ist praktisch und professionell. Klare Anweisungen, wie ich es mache. Entschuldigung für die Angeberei: Ich habe es fünfundsechzig mal getan (veröffentlicht zu werden). WIE zeigt Ihnen, wie Sie Geschichten schreiben – nicht wie ein Professor, sondern wie ein Profi. Und gibt Ihnen eine ganze Menge nützlicher Tipps.

Wir werden viel Spaß zusammen haben.

Lernen ist nicht Stress, sondern Spaß.


Kapitel 4:

CRASH

Sie entscheiden ...

Welche der beiden Formulierungen ist lebendiger?

Damals, als Elizabeth Königin von England war, ...
Oder: Als Elizabeth regierte ...

Offensichtlich ist regieren viel lebendiger als nur auf einem Thron zu sitzen und Königin zu sein. Glauben Sie mir: Elizabeth Tudor regierte um 1600! Wer nicht regiert werden wollte, wurde geköpft.

Der obige Vergleich ist ein guter Prüfstein für Ihr eigenes Manuskript. Und noch mehr. Ein Boxenstopp. Wenn Sie noch am Anfang Ihrer Schriftstellerkarriere stehen und eines Tages veröffentlicht werden möchten, dann hören Sie auf meine Warnung, und STOPPEN Sie, bevor Sie Hals über Kopf in eine üble, kleine Falle tappen.

Welche Falle?

Nun, es ist das nichtssagende Wort sein.

Ich bin. Wir sind. Ich war.
Du bist. Ihr seid. Du warst.
Er ist. Sie sind. Sie war Königin.


Die sind allesamt verboten. Da bin ich hart. Aus gutem Grund. Wenn Sie nämlich schreiben, was eine Figur ist oder war, dann werden Sie als Schriftsteller sicher verhungern. Erzählen Sie mir nicht, was sie ist – zeigen Sie mir, was sie tut. Action. Sie muss etwas tun.

Was tun?

Es liegt an Ihnen, ob sie etwas Gutes oder etwas Schlechtes tut. Aber wenn sie nur wenig oder gar nichts tut, dann entspricht das genau dem, was Sie als professioneller Schriftsteller verdienen sollten. Wenig oder gar nichts.

Eine unterhaltsame Geschichte ist wie ein Damespiel. Oder besser noch, Schach – denn manche Ihrer Figuren sind stärker und andere schwächer. An einem Schachbrett mit 64 Feldern sitzen sich zwei Spieler gegenüber. Nennen wir sie Marybelle und Charlie. Ein Amateur würde seine Zeit – und damit die Zeit des Lesers – mit einer Beschreibung verschwenden, welche Klamotten Charlie trägt. Einen Cowboyhut, ein gestreiftes Schlafanzugoberteil, Bermudashorts, schwarze Socken, einen Turnschuh und einen paillettenbesetzten Hausschlappen aus Samt.

Der Anfänger fühlt sich seltsamerweise verpflichtet, uns zu erzählen, dass Charlie rote Haare und blaue Augen hat. Wir Leser werden noch überflüssigerweise darüber informiert, dass Charlie Protestant ist, aber Katholik war, dass er im Versicherungsgeschäft ist und dass es ihm ernst damit ist, eines Tages jodeln zu lernen. Marybelle und Charlie sitzen sich so noch in zehn Jahren gegenüber.
Aber wenn keiner einen Zug macht, wird das ein furchtbar langweiliges Schachspiel.

Es muss einen Schlag geben.

Ein Funke muss von einem Pol zum anderen überspringen, der das Ganze ins Rollen bringt und für ein bisschen Pep sorgt. Wir Leser, die das Schachspiel verfolgen, merken auf, wenn Charlie (der mit den weißen Figuren spielt) seinen ersten Zug macht. Zugegeben, nur mit einem Bauern, aber wenigstens hat der Kampf angefangen.

Dieses alberne Beispiel zeigt uns jedoch den feinen Unterschied zwischen dem, was Charlie ist (langweilig), und dem, was er schließlich tut ... nämlich angreifen.

Marybelle muss sich nun verteidigen.

Denn einfach nur verschüchtert dazusitzen, da zu sein, reicht keinesfalls. Was mich an ein ziemlich langweiliges Theaterstück namens Hamlet erinnert. Ich habe vergessen, wer es geschrieben hat, aber eine halbe Ewigkeit voller Langeweile wird von einem passiven Prinzen verschwendet, der nichts tut. Er denkt daran, Selbstmord zu begehen, während das ganze Publikum darauf hofft, dass er es endlich tut, damit sie alle aufstehen, nach Hause gehen, das Fernsehen anschalten und die Sportsendung schauen können. Allerdings gibt es eine Textzeile in dem Stück, an die ich mich deutlich erinnere:

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“

Nun denn, mein Rat an alle angehenden Schriftsteller ist klar: Vermeiden Sie sein. Also machen Sie sich eine Notiz und entscheiden sich für nicht sein.

In öffentlichen Büchereien können Sie meinen Roman Bro bekommen. Holen Sie ihn sich bei Gelegenheit und lesen Sie ihn (kostenlos). Bis es so weit ist, bekommen Sie hier schon mal einen Teil der Geschichte, in dem der Held, Broda Joe Dockery, schließlich dem grausamen Sträfling Crit Zaggert gegenübersteht. In der Literatur sind Köpfe nicht zum Denken da, sondern zum Zustoßen. (An Elizabeths Hof zum Rollen.)

Draußen stand Zaggert. Das Tier.
Hände in Handschellen hielten ein Megafon. Eine Stimme sprach.
Gespenstisch. Wie das Zischen einer Schlange. „Süßer, bist du da drin? Zeig dich. Komm raus – mit beiden Händen auf deinem hübschen Kopf. Hörst du mich?“
Tante Lulu keuchte.
Branch tat einiges mehr.
Broda Joe hörte das scharfe Klick-Klack, als Großvater seine alte Winchester durchlud.
Bro schaute kurz nach rechts und sah den stählernen Lauf aus einem Fenster im oberen Stock auftauchen. Das Gewehr ging ohne Vorwarnung los. Die Frontscheibe des Gefängnislastwagens zerbarst. Jemand auf dem Beifahrersitz fluchte und feuerte eine Pistole ab. Zweimal.
„Branch!“, schrie Tante Lulu.
Großvater stöhnte, als ihm die Winchester aus der Hand fiel.
Das Gewehr klapperte über die rauen Schindeln des Vor-dachs und fiel auf die Steinplatten vor dem Haus.
Zaggert sah die Waffe und spurtete los. Aber er war zehn Meter weit weg und seine Knöchel waren eng zusammenge-kettet.
Broda Joe zögerte keinen Augenblick. Er sprang aus dem Fenster, rollte das steile Dach nach unten und fiel auf die Steine.
Seine Schulter schlug mit einem dumpfen Krachen auf. Er spürte, wie ein Knochen brach. Mehr als einer. Schmerz durchfuhr ihn, schlimmer als tausend Dolche.
Das Atmen tat weh. Und er schmeckte Blut.
Als er zu dem Gewehr kroch, stellte er fest, dass der Abzug abgebrochen war. Die Winchester war kaputt.
Dennoch stemmte Bro sich in die Höhe, schaffte es fast, zu stehen, und zielte mit der Waffe auf Crit Zaggert. Sie würden ihn nicht lebend bekommen.
Broda Joe Dockery würde nicht in diese Hölle zurückkehren.
Er wählte den Himmel.

Geschichten sind keine trübsinnigen Beschreibungen. Im Gegenteil, sie sind der unausweichliche Zusammenstoß zweier gegensätzlicher Kräfte. In den vorangegangenen Kapiteln haben Sie sorgfältig festgelegt, wer die Darsteller sind; nicht durch Namen und Beschreibungen, sondern durch ihr Verhalten.

Das Verhalten einer Figur charakterisiert sie am besten. Sie muss auf eine andere Figur treffen, auf einen Widerpart. Wie bei einem Autorennen gewinnen dann beide an Geschwindigkeit und Kraft, die sich immer mehr steigern ...

Bis zum Crash!  




Kapitel 26:
MAX UND MEINE MUTTER

Apfelkuchen.

Das war schon immer mein Lieblingsessen, weil meine Mutter (nein, nicht Ihre, meine!) den besten Apfelkuchen der Welt gebacken hat. Im kühlen Vermont gedeihen die Bäume mit den grünen Äpfeln, die man dafür braucht, besonders gut.

Noch in einer Entfernung von einer Meile konnte ich den Duft von frischem Apfelkuchen riechen. Mama hat den warmen Kuchen aus dem Ofen gezogen und ihn aufs Fensterbrett zum Abkühlen gestellt. Zum Ruhen. Wenn es Zeit fürs Abendessen war, konnte man den Kuchen anschneiden. Hätte man ihn früher angeschnitten, hätte man ihn ruiniert, denn dann wäre er zerlaufen.

Warum?

Warum erzähle ich Ihnen was über Apfelkuchen?

Der Grund ist Mr. Max Schuster.

Es war im Jahre 1962. Mein Schulfreund Dave Goodstein lud zu einer Dinnerparty in sein schickes Haus in Manhattan. Mir gegenüber saß ein sehr kleiner Herr, der, wie sich herausstellte, kein Geringer war als Dick Simons Partner. Die beiden leiteten einen sehr angesehenen Verlag. Simon and Schuster.
Ich bin auf ihn losgegangen wie ein kleiner Welpe mit schmutzigen Pfoten und verkündete, dass ich Schriftsteller werden wollte. Aber noch wäre nichts von mir veröffentlicht. Max seufzte und verdrehte die Augen, wohl aus Furcht, dass ich ihn mit Fragen belästigen würde. Und schlimmer noch, ihn mit der detaillierten Schilderung eines halb fertigen Manuskripts belästigen würde.

Als ich seine ablehnende Miene sah, schenkte ich ihm mein gewinnendes Junge-vom-Land-Lächeln und bat ihn, mir doch einen guten Rat zu geben. Nur einen? Ja, bitte, einen einzigen Hinweis, den ich bis an mein Lebensende befolgen könnte. Seine Antwort überraschte mich, und ich habe den Verdacht, dass Mr. Max Schuster meiner Mutter gar nicht so unähnlich war. Sein Rat bestand aus nur sechs Wörtern:

„Schreibe mit Feuer. Aber kürze eiskalt.“

Seit diesem lehrreichen Abend befolge ich seinen weisen Rat buchstabengetreu. Nachdem ich ein oder zwei Kapitel mit Leidenschaft – mit Feuer – geschrieben habe, lege ich sie auf die Seite zum Abkühlen. Später, meist am nächsten Tag, überarbeite ich sie, kürze sie und bereite sie so auf, dass ich sie einem hungrigen Lektor servieren kann.

He, das hat sich bei mir bewährt.

Fünfundsechzig Mal.

Und noch ein hilfreicher Rat, dieses Mal von mir statt von Max. Wenn Sie Kapitel sechs fertiggestellt haben, dann stehen Sie nicht auf und machen für heute Schluss. Fangen Sie sofort mit Kapitel sieben an, auch wenn es nur für einen oder zwei Abschnitte ist. Denn dann entfällt das Warmlaufen am nächsten Tag. Sie sind bereits mittendrin. Und vermeiden so, auf eine leere Seite zu starren, auf der nur „Kapitel sieben“ steht und darunter nichts als die große Leere einer Schreibblockade.

Um es zusammenzufassen: Backen Sie einen Kuchen, lassen Sie ihn abkühlen und erst dann schneiden Sie ihn an. Diese Weisheit kommt mit freundlicher Genehmigung von Mr. Max Schuster.

Und meiner Mutter.


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