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Silva Norica - Ein überraschendes Abenteuer

von Dirk Traeger

Illustrationen von Sabine Röhr

Vignetten vom Autor

gebunden

ISBN 978-3-939877-07-3

gebunden

183 Seiten
Format ca. 15,4 x 21,3 cm
€ 9,90 (D) / € 10,20 (A) / sFr 20,50 (CH)



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 (©Schroedel, Braunschweig)
 


Leseprobe:

Gehen Abenteuer je zu Ende?
Wahrscheinlich nicht. Und sicher ist es auch egal, wie alt man ist, denn Abenteuer suchen sich junge und alte Menschen aus.
Oma Weiß war schon früher mit ihren Enkeln verreist, doch dieser Urlaub sollte alles übertreffen, was die alte Frau in den über siebzig Jahren ihres Lebens erlebt hatte ...
„Ich gehe noch ein wenig spazieren“, sagte Oma und schnappte sich ihre warme Jacke. „Draußen ist so schönes Frühlingswetter. Wann wollt ihr denn zum Frühstück gehen?“
„In etwa einer Stunde“, antwortete Herr Weiß, ihr Sohn. Familie Weiß, das waren Herr und Frau Weiß mit ihren Söhnen Patrick, zwölf Jahre alt, und Lukas, sechs Jahre. Zusammen mit Oma hatten sie eine kleine Ferienwohnung in einer alten Mühle gemietet. Frühstück gab es im Gasthaus, zu dem die Mühle gehörte, und wenn sie nicht gerade Ausflüge machte, aß Familie Weiß dort auch zu Mittag.
Die Mühle lag direkt an einem Fluss, und nicht weit hinter den Gebäuden begann der Wald – dichter, dunkler Tannenwald.
„Ein ganzes Meer voller Weihnachtsbäume“, hatte Lukas gejubelt, als sie angekommen waren. Patrick dagegen gefielen die großen Felsblöcke, die hier und da im Wald verstreut lagen. Es sah genau so aus wie im Silva Norica, wo er vor gar nicht langer Zeit das Abenteuer seines Lebens erlebt hatte, als er in einen unterirdischen Gang gekrochen war, der direkt in eine mittelalterliche Welt geführt hatte: eine Welt voller Abenteuer und Gefahren ...
„Schau mal, Patrick“, sagte sein Vater, nachdem Oma gegangen war. „Im Gasthaus habe ich ein Buch über die Gegend hier gefunden.“
„Hm“, machte Patrick. Da er nicht gerne las, machte er um Bücher meist einen Bogen.
„Sind da auch Burgen drin?“, erkundigte sich Lukas interessiert.
„Bestimmt“, antwortete Herr Weiß. „Da steht eine ganze Menge über die Geschichte dieses Landes. Wusstet ihr, dass es vor vielen Hundert Jahren einmal ein Königreich war? Noricum hieß das damals, als die Römer noch Europa beherrschten, und ...“
„Kann ich das mal sehen?“, fragte Patrick und riss seinem Vater ohne eine Antwort abzuwarten das Buch aus der Hand.
„Nanu?“, wunderte sich Herr Weiß. „Das ist ja mal was ganz Neues, dass du dich auf ein Buch stürzt!“
„Vielleicht muss es nur das richtige Buch sein“, antwortete Lukas an Patricks Stelle und schaute seinem Bruder über die Schulter.
„Silva Norica“, murmelte Patrick. „Der Wald des Königreichs Noricum. Sieh mal an.“
„Die Bilder passen ziemlich genau“, bestätigte Lukas. „Da hat sich in den paar Hundert Jahren nicht viel verändert.“
„Wovon sprecht ihr beiden eigentlich?“, wollte seine Mutter wissen, doch Patrick warf Lukas einen warnenden Blick zu, und Lukas verstand. Ihre Eltern würden ihnen nie glauben, dass sie schon im Silva Norica gewesen waren, noch dazu im Mittelalter.
„Solche Felsen und so dichte Wälder habe ich schon mal gesehen“, antwortete Patrick und vermied es dabei, vom Buch aufzuschauen.
„Die kommen mir auch irgendwie bekannt vor“, fügte Lukas hinzu und schaffte es gerade noch, nicht allzu auffällig zu grinsen.
„Na, meinetwegen“, lachte sein Vater. „Wenigstens liest Patrick mal in einem Buch. Das ist schon was.“
„Falls er sich nicht nur die Bilder anschaut“, gab seine Frau zu bedenken, und Patrick grinste vielsagend.

Zur selben Zeit wanderte Oma durch den Frühlingswald. Die Äste der Tannen wiegten sich sanft im leichten Wind und das helle Grün der ersten Blätter hing wie ein zarter Schleier vor den dunklen Felsen.
Oma konnte sich gar nicht sattsehen. Wie schön es hier ist, dachte sie, als sie an einem Teppich aus weiß blühendem Klee vorbeikam. Sie ließ den Blick durch den Wald schweifen, und sie staunte nicht schlecht, als sie einen großen, dunklen Fleck auf einem der Felsblöcke sah.
Neugierig schlich sie näher.
„Das gibt es doch nicht“, flüsterte sie. Vor ihr lagen die Reste eines alten, unterirdischen Ganges.
Oma konnte nicht viel erkennen, doch wie es aussah, führte der Gang geradewegs in den Felsen.
„Ist da jemand?“, rief Oma, erhielt aber keine Antwort. Im Wald wie im Gang war es still.
Lange stand Oma Weiß vor dem Eingang und überlegte, was sie tun sollte. Einmal hätte sie fast die Gelegenheit gehabt, Patrick durch einen Gang in den Silva Norica zu begleiten, doch die Öffnung war zu eng gewesen. Dieser Eingang hier war jedoch groß genug für einen erwachsenen Menschen. Sie steckte die Hände in die warmen Jackentaschen, und während sie überlegte, ob es nicht besser wäre, zurückzukehren, schlossen sich ihre Finger wie von selbst um das Feuerzeug, das sie in der linken Tasche hatte.
Dann soll es wohl so sein, dachte sie.
Prüfend schaute sie sich nach allen Seiten um, doch niemand war zu sehen.
Mit dem Feuerzeug in der linken Hand bückte Oma sich und kroch in den Gang.
Wohin er wohl führt?, fragte sie sich. Immer weiter kroch sie, und schon bald wurde der Gang so breit und hoch, dass sie gebückt darin gehen konnte.
Die alte Frau war so aufgeregt, dass sie gar nicht bemerkte, wie der Gang sich hinter ihr schloss.

Fortsetzung im Buch ...



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