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Silva Norica - Verschwörung im Moor

von Dirk Traeger

Illustrationen von Sabine Röhr

Vignetten vom Autor

gebunden

ISBN 978-3-939877-02-8

gebunden

176 Seiten

Format ca. 15,4 x 21,3 cm
€ 9,90 (D) / € 10,20 (A) / sFr 20,50 (CH)



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 (©Schroedel, Braunschweig)
 



  Silva Norica - Verschwörung im Moor wurde von der 

  Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der

  Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mit dem "LesePeter des

  Monats Januar 2010" als herausragendes, aktuelles Buch der

  Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet.

  Die ausführliche Beurteilung als PDF-Download (ca. 150 KB):

  LesePeter Januar 2010





Leseprobe:

Man sagt, so sicher, wie die Nacht dem Tag folgt, folgt ein Abenteuer dem anderen.
Vor wenigen Wochen erst waren für Patrick die aufregendsten Sommerferien seines Lebens zu Ende gegangen, in denen er mit einem Fuchs und einem ausgewachsenen Wolf durch Stuttgart gezogen war, um einen entführten Wolfswelpen zu suchen.
Nun wurde es Herbst, und Patrick freute sich, ein paar Tage bei seiner Großmutter zu verbringen. Eine ganze Woche würde er bei ihr bleiben, denn seine Eltern mussten arbeiten. Er konnte ja nicht ahnen, dass sich bereits ein Abenteuer zusammenbraute, das alles, was er bisher erlebt hatte, bei Weitem übertreffen sollte ...
Patrick war zwölf Jahre alt. Sooft er konnte, streifte er draußen herum. Und bei Oma gab es einen großen Wald und eine Burgruine ganz in der Nähe. Alles wäre perfekt gewesen, wenn nicht Lukas mitkommen würde.
Lukas, Patricks kleiner Bruder, war sechs (eigentlich fast sieben) und laut Patrick „lästig wie eine Klette“. Natürlich stimmte das nicht. Oft spielten die beiden zusammen, doch fast genauso oft stritten sie sich auch.
„Lukas sieht einfach nicht ein, dass er noch zu klein ist!“, maulte Patrick meistens, und Lukas ließ sich von seinem großen Bruder nichts mehr gefallen. „Ich bin nicht zu klein“,
behauptete er dann und stemmte die Fäuste in die Hüften. „Ich bin schon groß!“
Bei Oma, so hoffte Patrick, würden sie sich aus dem Weg gehen, doch es sollte ganz anders kommen.
„Wie weit seid ihr?“, rief Frau Weiß, Patricks Mutter. Ungeduldig klapperte sie mit dem Schlüssel, denn sie wollte die beiden Jungen auf dem Weg zur Arbeit bei Oma absetzen. „Habt ihr alles eingepackt?“
„Komme schon“, brummte Patrick. Natürlich hatte er noch nichts gepackt, und dass Lukas schon fertig war und die Treppe herunterlief, verbesserte Patricks Laune nicht gerade. Er schnappte sich seine große Sporttasche und stopfte hinein, was er mitnehmen wollte: ein Stück Schnur für Pfeil und Bogen, sein neues Taschenmesser, eine Taschenlampe, eine Packung Gummibärchen (die ganz teuren aus Fruchtsaft, die er mit niemandem teilte) und ein kleines Päckchen, das sorgfältig verschnürt war. Darin befand sich ein Kristall, den Patrick von Aherin, einem Zwerg, bekommen hatte. Im letzten Jahr war Patrick in einen unterirdischen Gang gekrochen, der ihn in den Silva Norica, den Nordwald, geführt hatte – direkt ins Mittelalter. Zusammen mit Roderick, dem Fuchs, hatte Patrick sich seinen Weg durch geheimnisvolle Wälder voller Abenteuer und Gefahren gebahnt, und mithilfe der Zwerge war er wieder heil nach Hause zurückgekehrt. Mit dem Kristall konnte Patrick zu ihnen gelangen, wenn er einmal Hilfe brauchte. Diesen wertvollen Schatz würde er keine Woche unbewacht zu Hause lassen.
Vorsichtig schob Patrick das Päckchen zwischen seine Socken. Frau Weiß hatte schon am Tag zuvor Kleider und Waschzeug in die Tasche gepackt. Sie kannte Patrick und seine Angewohnheit, mit allem bis zur letzten Minute zu warten.
„Habt ihr alles?“, fragte Frau Weiß, als Patrick die Treppe herunterkam.
„Ich denke schon“, murmelte Patrick und verstaute seine Tasche im Kofferraum.

Die ganze Fahrt über sprachen die beiden Jungen kein Wort miteinander.
„Benehmt euch und streitet euch nicht“, ermahnte Frau Weiß ihre beiden Söhne noch und fuhr zur Arbeit. Wie immer war sie spät dran.
„Wie wär’s mit Frühstück?“, fragte Oma.
„Ja, zu Hause haben wir nichts gegessen, weil Patrick getrödelt hat“, sagte Lukas.
„Hab ich nicht“, fauchte Patrick.
„Hast du doch!“, fauchte Lukas zurück.
„Streitet euch nicht!“, sagte Oma Weiß und schob die beiden auseinander.
Während des Frühstücks plapperte Lukas munter drauflos, während Patrick nur das Gesicht verzog und sich alle Mühe gab, so zu tun, als wäre Lukas nicht da.
„Kann ich in den Garten?“, fragte Lukas kurz darauf, und Oma Weiß nickte. Normalerweise wäre Patrick dort der Erste gewesen: Hinter dem alten Haus lag ein verwilderter Garten mit großen, alten Obstbäumen und einer windschiefen Gerätehütte. Hohes Gras und Brennnesseln wucherten ungehindert und überall gab es jede Menge guter Verstecke.
Pfeifend hüpfte Lukas durch den Garten. In der Hütte fand er die Holzschwerter, die Patrick und er sich vergangenes Jahr geschnitzt hatten. Wild fuchtelte Lukas in der Luft herum, dann sprang er auf einen alten Stuhl.
„Ergib dich“, schrie er und stach nach seinem eingebildeten Gegner. Zweimal sprang er vom Stuhl herunter und wieder hinauf, dann ließ er sein Holzschwert sinken. Allein machte es keinen Spaß. Er konnte ja nicht wissen, dass er gar nicht allein war. Zwei Augen beobachteten ihn aufmerksam und verfolgten jede seiner Bewegungen.
„Lukas?“, fragte plötzlich eine Stimme. Sie kam von den alten Gartengeräten, die in der Ecke standen.
Erschrocken sah Lukas sich um. „Wer ist da?“
„Du bist Lukas, nicht wahr?“, fragte die Stimme weiter.
„Wer bist du?“, fragte Lukas und packte das Holzschwert mit zitternden Händen. „Und woher kennst du mich?“
„Ich bin ein Freund“, antwortete die Stimme. „Ich habe dich beobachtet.“
„Ein Freund?“, wiederholte Lukas zweifelnd. „Ein Freund von wem?“
„Ein Freund von Roderick, dem Fuchs“, sagte die Stimme. „Roderick braucht deine Hilfe.“
„Wieso fragst du nicht Patrick? Er ist Rodericks Freund. Und wieso versteckst du dich?“
„Patrick und Roderick haben sich gestritten“, fuhr die Stimme mit zuckersüßem Klang fort. „Und ich verstecke mich, weil ich Angst vor dir habe.“
„Vor mir?“, wunderte sich Lukas.
„Ja“, erwiderte die Stimme. „Du bist viel größer und stärker als ich, und du hast ein Schwert.“
„Das ist doch nur aus Holz“, antwortete Lukas und legte das Holzschwert weg. „Komm heraus, ich tu dir nichts.“
Die Gartengeräte klapperten, und Lukas staunte nicht schlecht, als ein kleiner, alter Mann vor ihm auftauchte! Seine Kleider waren ganz anders als die von Lukas: Der Mann trug eine Jacke aus dickem, dunklem Leder, auf das Plättchen aus Metall genäht waren. Sein grauer Bart war kurz geschnitten und auf dem Kopf trug er eine Kappe aus Leder.
Lukas riss die Augen auf, als er die zweischneidige Axt sah, die im breiten Gürtel steckte.
Die Augen des Mannes blitzten seltsam, als er sprach. „Ich heiße Kurgan“, begann er, „und ich habe dich lange beobachtet.“
„Ich bin doch vorhin erst angekommen“, entgegnete Lukas, doch der Mann grinste schief.
„Ich beobachte dich schon seit Tagen“, sagte er, „denn ich muss sicher sein, dass du der Richtige bist.“
„Der Richtige?“, fragte Lukas. „Wofür?“
„Wie ich schon sagte, Roderick braucht Hilfe, und ...“
„Dann warst du in den Sommerferien dabei, als Roderick wieder zurückgegangen ist?“, unterbrach ihn Lukas. „Ich habe gerade noch gesehen, wie Roderick mit ein paar Zwergen im Wald verschwunden ist.“
Für einen Moment zuckten Kurgans Mundwinkel, doch Lukas achtete nicht weiter darauf. „Wie kann ich euch helfen, dir und Roderick?“, fragte er.
„Komm mit“, forderte ihn der Zwerg auf. „Ich erkläre dir alles unterwegs.“
„Du nimmt mich mit in eure Welt?“, hakte Lukas nach und seine Stimme zitterte vor Aufregung.
„Ja, natürlich.“
„Und du bist ganz sicher, dass du nicht lieber Patrick fragen willst?“
„Glaub mir“, sagte der Zwerg und grinste, „für das, was ich vorhabe, bist du genau der Richtige.“
Fortsetzung im Buch ...



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